Mittwoch, 26. August 2015

Sally Nichols - Wie man unsterblich wird: Jede Minute zählt




Originalsprache: Englisch
Originaltitel: Ways to Live Forever
Genre: Kinderbuch
Altersempfehlung: 11 -13 Jahre
über meine gelesene Version

Verlag: Hanser
Buchart: Taschenbuch
Seitenanzahl: 198 Seiten





Sam ist elf und hat Leukämie. Seine Beobachtungen und Gedanken hält er in einem Tagebuch fest – mit dem wissenschaftlichen Vorsatz, sein Sterben für die Nachwelt zu dokumentieren. Sogar für die schwierige Frage, wie er den Moment seines Todes darstellen soll, hat er eine Lösung parat: einen Fragebogen für seine Eltern. Doch bevor es so weit ist, will er sein Leben in vollen Zügen genießen. Zusammen mit seinem ebenfalls krebskranken Freund Felix erstellt er eine Liste mit Dingen, die er unbedingt noch erleben will: einen Weltrekord aufstellen. Teenager sein. In einem Luftschiff fahren. Und tatsächlich gelingt es den beiden, die Liste auf höchst originelle Weise abzuarbeiten.


                            

"Granny sagt, sterben sei so ähnlich, wie wenn Raupen sich in Schmetterlinge verwandeln. Natürlich macht es ihnen Angst, sagt sie, so wie es den Raupen Angst macht, wenn sie sich verpuppen. Aber was wäre, sagt Granny, wenn Raupen immerzu jammerten und sagten"oh nein, ich muss mich verpuppen, es ist so unfair"? Dann würden sie nie zu Schmetterlingen, fertig."

Zu diesem Buch habe ich eine besondere Art der Verbindung. Vor gut fünf Jahren habe ich es schon mal als Hörbuch aus der Bücherei gehört und konnte mich nur noch daran erinnern, dass es mir gut gefallen hat!
Allerdings hat es mich damals nicht so richtig packen können. Das meinte, musste ich feststellen, hatte ich schon vergessen.
Diesmal, als ich es mit 18 Jahren gelesen habe konnte es mich deutlich mehr berühren als damals mit 13, aber ich glaube ich weiß auch warum.

Die Geschichte folgt Sam, der 11 Jahre alt ist, Leukämie hat und weiß, dass er sterben wird. Das ist definitiv ein heftiges Thema, besonders wenn man bedenkt, dass es ein Kinderbuch ist. Aber die Autorin geht absolut wunderschön mit diesem Thema um und ich war hellauf begeistert.
Das Buch ist aus Sams Perspektive geschrieben und fängt damit an, dass Sams Lehrerin ihm die Aufgabe gibt, etwas über sich selbst zu schreiben. Was man liest ist also quasi genau das, was Sam in sein Buch schreibt - das macht das ganze total persönlich!
Wie man unsterblich wird ist eine Sammlung von Tagebucheinträgen und Sams Antworten auf Fragen, die einem niemand beantwortet wie z.B. "Woher weiß man, dass man gestorben ist?" oder "Warum lässt Gott Kinder krank werden?". Außerdem gibt es Liste, die Sam schreibt. Listen wie "Schönste Sachen" oder "Wie man ewig Leben kann".
Die Liste die die größte Bedeutung spielt ist "Was ich gerne möchte" auf der Punkte wie "Einen Weltrekord aufstellen" und "Mit einem Luftschiff fahren" vertreten sind. Zu Beginn des Buches nehmen sich Sam und sein Freund Felix vor diese Liste abzuarbeiten, egal wie unwahrscheinlich die Erfüllun
g der Wünsche zunächst scheint.

"Liste Nr. 5
Wie man unsterblich wird

(...)
8. Such dir ein tolles Mädchen und heirate es. Vielleicht bist du dann nicht unsterblich, aber wenigstens unsterblich verliebt!"

Sam ist ein sehr toller Charakter! Dafür dass er erst 11 ist hat er einen super Geschmack, was seine Hobbys und Vorlieben angeht - mit seiner Liebe für Warhammer, Spiderman und den Herr der Ringe gilt er für mich auf jeden Fall als nerdig und ich hätte sicher tolle Unterhaltungen mit ihm, könnte ich ihn einmal treffen.
Auch ansonsten ist Sam einfach nur ein toller, liebenswerter Charakter, der seine Ecken und Kanten und das Herz auf jeden Fall am rechten Fleck hat.
Felix lernte Sam im Krankenhaus kennen und er ist ebenfalls ein total toller und interessanter Charakter, und ganz anders als Sam! Er trägt stehts schwarze Klamotten, liebt Green Day und raucht manchmal heimlich. Im Gegensatz zu Sam findet er es unnötig, dass er obwohl der krank ist Unterricht machen muss und arbeitet meistens nicht mit.
Aber auch er ist einfach liebenswert und man merkt, dass die Autorin wirklich Talent im Charaktere-Erschaffen hat.

Was mich dieses Mal zusätzlich berührt hat und dafür sorgte, dass mir das Buch noch viel besser gefällt, als vor fünf Jahren, ist wie toll die Familienbeziehung dargestellt ist. Sam wohnt mit seiner kleinen Schwester und seinen Eltern zusammen. Die Familie ist keinesfalls perfekt. Es gibt oft Streit aber man merkt, wie sehr sich eigentlich alle lieben. Es wird nur einfach deutlich wie verdammt schwer und belastend es für sie ein muss damit zu leben, dass eines der Kinder sterben wird.
Ich fand es einfach wundervoll und zugleich unglaublich traurig, wie realistisch der Umgang der Eltern mit der Situation dargestellt wurde.
Der Vater, der es einfach nicht wahrhaben will, nie darüber spricht und immer das Thema wechselt oder den Raum verlässt, sobald man mit ihm darüber sprechen will, der sich dafür einsetzt, dass Sam wieder in die normale Schule gehen sollte und einfach so tun möchte, als gäbe es gar kein Problem.
Und dann Sams Mutter, die versucht die beste Mutter der Welt zu sein, die immer das beste möchte und sich ernsthaft überlegt, ob es Sam mit Bio-Gemüse nicht vielleicht besser ginge. Auch sie ist natürlich total überfordert mit der Situation.

All das habe ich mit 13 wahrscheinlich noch gar nicht so richtig verstanden. Ich will damit auf keinen Fall sagen, dass ich denke, das Buch sei nicht für jüngere Leser und Kinder geeignet - auf keinen Fall! Ich finde es wunderbar, dass es so schöne und wunderbar umgesetzte Bücher zu so komplexen Themen gibt und finde, dass Kinder dieses Buch unbedingt lesen sollten.
Ich finde nur, dass Erwachsene und Jugendliche sich auf keinen Fall durch die Altersempfehlung abschrecken lassen sollten. Wenn man es mit Kinderaugen sieht zieht man sicher sehr viel aus dem Buch, aber auch der erwachsene oder der jugendliche Blick kann noch vieles von dem Buch lernen und wahrscheinlich sieht man das ganze etwas anders und legt Wert auf andere Dinge.

Ich kann nur sagen, dass ich dieses Buch jedem empfehle. Wenn man nach Kinderbüchern zum Thema Tod sucht, ist dies definitiv eine ganz große Buchempfehlung. Aber auch sonst kann ich das Buch eigentlich mit gutem Gewissen absolut jedem empfehlen - lest es! Ihr werdet es nicht bereuen!





Dieses wunderschöne Buch bekommt 4,5 von 5 Sternen von mir und einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen :)


1 Kommentar:

  1. Schöne Rezension! Dieses Buch hat mich auch total berührt - und zwar beide Male, die ich es gelesen habe. Zum ersten Mal schon 2011 und jetzt noch einmal für die Uni... Obwohl man eigentlich weiß, dass es ja eine Chronik von Sams angekündigtem Tod ist, hat es mich am Ende so mitgenommen, als Sam gestorben ist! Da flossen die Tränen wirklich in Strömen. Und trotzdem hat das Buch so viel Freude gemacht und Hoffnung vermittelt. Man kann es wirklich nur empfehlen!

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